Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

"Potsdam - wie es wurde, was es ist"

Ein Interview mit dem Autor

Der Verlag terra press bereitet ein reich bebildertes Buch über die über 1000-jährige Geschichte Potsdams vor. Es soll im Februar 2018 vorliegen. Wir fragen beim Autor Joachim Nölte nach, was uns erwartet.

Warum schon wieder ein Buch über den Alten Fritz?

Wie kommen Sie darauf? Das Buch hat 10 Kapitel. Eins davon handelt von Friedrich II. Und es ist nicht einmal das längste.

Welches ist denn das längste?

Das über die 45 Jahre zwischen 1945 und 1990.

Also vor allem über die DDR-Jahre?

Korrekt.

Warum waren Ihnen diese Jahre so wichtig?

Alle Potsdamer über - sagen wir mal - 35 Jahre sind irgendwie von der DDR-Zeit geprägt, egal wie es jeder Einzelne empfindet. Im Guten oder im Schlechten. Um sich damit auseinanderzusetzen, braucht es schon ein paar Seiten. Wir kommen an dieser Stelle nicht weiter, wenn wir die DDR auf drei Daten reduzieren: den 17. Juni 1953, den 13. August 1961 und den 9. November 1989.

Wer tut denn das?

Schauen Sie sich mal um, speziell im Internet.

Aber sie werden wohl nicht bestreiten, dass damals viel verbockt wurde, was das heutige Gesicht Potsdams betrifft.

Ich versuche, in der damalige Bautätigkeit auseinanderzuhalten: Was war allgemeiner Zeitgeist, der für den Osten ebenso galt wie für den Westen, was war DDR-typisch und was wurde in Potsdam daraus gemacht? Und dann bleibt die Frage: Welches Gesicht für Potsdam erstrebenswert ist, was ist der Maßstab für heutige Bewertungen? Wer bestimmt, was schön ist? Da differenziert sich manches.

Sie meinen, Potsdam ist Geschmacksache?

Und über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten.

Aber Sie tun da ja wohl in Ihrem Buch.

Keinesfalls. Sollte mich ein Leser dabei ertappen, Schönheitskriterien aufzustellen oder Schönheitszensuren zu verteilen, darf er sich gern bei mir beschweren.

Aber Sie können sich ja wohl nicht aus allem heraushalten.

Ich mische mich ein, indem ich Fakten zusammentrage, sie füge und vielleicht noch vergleiche. So biete ich den Lesern eine Handhabe, sich selbst eine Meinung zu erarbeiten. Mit Wertungen bin ich vorsichtig. Schon gar nicht mische ich mich in aktuelle Debatten ein.

Als Historiker treten Sie also nicht auf?

Ich bin kein Historiker. Die haben den beruflichen Ehrgeiz, neue Quellen zu finden und wissenschaftlich aufzuschließen sowie für gesellschaftliche Abläufe neue Ansätze zu finden. Da kann ich nicht mithalten. Ich bin einer, der Vorhandenes neu aufbereitet, der ungewohnte Zusammenhänge herstellt, der - hoffentlich - überraschende Zugänge zu einer spröde geglaubten Materien eröffnet. Und der vielleicht auch ein wenig unterhält.

Hier mischt sich also ein Laie in die wissenschaftliche Arbeit ein?

Wenn das Buch als Einmischung gesehen wird, liegt das wohl auch an Historikern, die aus meiner Sicht seit dem Friedrich-Jubiläum etwas verhaltener publizieren. Bedenken Sie, wie viel populärwissenschaftliche Literatur es zum Beispiel über medizinische Fragen gibt. Würde nicht zum Bestseller "Darm mit Charme" vielleicht "Gedichte über Geschichte" passen? Das war ein Scherz!

Was prädestinierte Sie, eine Geschichte über Potsdam zu schreiben?

Nicht viel. Vielleicht, dass ich den Mut dazu hatte, das Interesse und den Spaß daran. Bei mir hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel über Potsdam angesammelt. Das wollte ich nicht für mich behalten.

Können Sie sich vorstellen, dass manch Potsdamer andere Erinnerungen hat als Sie das beschreiben?

Auf jeden Fall. Wie gesagt, ich strebe keine Allgemeingültigkeit an.

Und woher stammen die Bilder?

Zunächst ist zu sagen: Wir hatten im Verlag nie den Ehrgeiz, alles und jeden zu bebildern. Dazu kommt, dass wir mit den Illustrationen im Buch eine Spurensuche betreiben. Das heißt, es überwiegen Bilder aus dem heutigen Potsdam. Sie zeigen, wie es ist, und der Text beschreibt, wie es dazu kam.

Wenn man das Buch aufklappt, sieht man ein Stadtpanorama aus der Zeit um 1900. Wo stammt das her?

Das hat uns freundlicherweise das Potsdam Museum zur Verfügung gestellt.

Haben Sie inhaltliche Unterstützung bei der Stadtverwaltung gesucht?

Nein. Wir hatten nicht vor, eine offizielle Geschichte der Stadt vorzulegen. Das hätte es vielleicht werden müssen, wenn wir die derartige Unterstützung gesucht hätten. Es gab allerdings sehr freundliche Unterstützung bei der Bildersuche vom Potsdam Museum.

Zum Schluss: Warum eigentlich nur ein Kapitel über Friedrich den Großen?

Weil er uns fast nur in seiner Rolle als Bauherr in Potsdam interessierte. Die ist überschaubar und nicht nur positiv. Immerhin ist er als siegreicher Feldherr zum "Großen" geworden, nicht wegen Sanssouci.