Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Affengang

Weil der wunderbare Park Sanssouci teils von Mauern, teils von Zäunen umgeben ist, muss sich, wer hinein möchte, durch ein Portal begeben. Oder er kennt einen der kleinen, verschwiegenen Zugänge, die das Sanssouci-Erlebnis noch zu steigern vermögen. Der Affengang ist ein solcher. Wer zum ersten Mal den Park auf diesem schmalen Gehweg zwischen zwei Grundstücken von der Lennéstraße her betritt, erlebt unvermittelt jenen beeindruckenden Blick auf die Terrassen und das Schloss Friedrichs des Großen, der – millionenfach fotografiert – weltberühmt ist. Das Erstaunen und die Freude sind groß.

Auf der linken Seite des Weges steht das „Lordmarschallhaus“. Es geht ebenfalls auf Friedrich II. zurück, der es genau gegenüber seinem Weinbergschloss für seinen alten Freund George Keith (1693 - 1778) erbauen ließ. Der mit der erblichen Marschallswürde ausgestattete schottische Adlige war ein gern gesehener Gast an den Tafelrunden des Königs und hielt ihm fast 30 Jahre die Treue. 

Rechts vom Weg die Villa Liegnitz. Sie wurde 1841 für die zweite Frau von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (die erste war die legendäre Königin Luise) als Witwensitz erbaut. Nach dem Ende der Monarchie gehörte die Villa zu den Immobilien, die die Hohenzollern nach der Fürstenenteignung behalten durften. In den 1920er und 1930 Jahren lebten hier zwei der sechs Söhne des letzten Kaisers. Zunächst Joachim von Preußen, der sich in der Villa im Alter von 29 Jahren erschoss. Danach zog Prinz August Wilhelm von Preußen („Prinz Auwi“) ein. Er entwickelte sich frühzeitig zum strammen Nazi, wofür er das NSDAP-Mitgliedsbuch mit der Nummer 24 überreicht bekam. Dieser Prinz war es, der in seinem Garten unüberhörbar einen Rhesusaffen hielt. Ob der es war oder sein Herrchen, der dem "Affengang" seinen Namen verdankt, mag offenbleiben. 

Durch welchen Eingang aber betrat Friedrich der Große selbst sein Anwesen? Er kam durch das Obeliskportal am östlichen Ende der Hauptallee. Der König verließ, vom Stadtschloss kommend, Potsdam durch das Brandenburger Tor, passierte den großen Obelisk und fuhr oder ritt durch das kunstvoll verzierte Portal, er passierte die Bildergalerie, stand schließlich unterhalb seines Lieblingsschlosses. Für die Pferde kam nun das schwerste Stück des Weges, denn sie mussten den steilen Weg neben den Treppen hinauf auf die Anhöhe.

Heute kommen die meisten Besucher entweder von den Parkplätzen hinter Schloss Sanssouci durch das Tor neben der Historischen Windmühle und erleben das berühmte Schloss zunächst von der Rückseite her. Sie müssen erst die 132 Stufen hinab zur Fontäne nehmen, um den grandiosen Blick auf das Gesamtensemble genießen zu können. Viel besser haben es da die Besucher, die vom Luisenplatz her durch das Grüne Gitter den Park betreten. Sie gelangen durch eine Kastanienallee zum Schlossparterre und erleben dann garantiert ihren Aah- und Ooh-Effekt. Oder aber Sie kommen durch den Affengang.