Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Dekoration

Fritz Rumpf war ein Kunstmaler. 1856 in Frankfurt (Main) geboren, war er Spross einer angesehenen, das heißt wohlhabenden Familie. Diverse Erbschaften ermöglichten es ihm, sich am Potsdamer Heiligen See eine imposante Villa nach eigenem Geschmack bauen zu lassen. Im Stil des holländischen Neobarock, mit weithin sichtbarem glockenförmigen Turm. „Rote Villa“ wurde sie von den Potsdamern genannt. Rumpf bot hier befreundeten Künstlern wie Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth Unterkunft und Arbeitsmöglichkeiten. Nach Krieg und Inflation diente das Haus als Wohnstätte für seine umfangreiche Familie. Rumpf starb 1927. Die Villa brannte 1945 aus, wurde anschließend, mühsam bewohnbar gemacht, von jungen Künstlern genutzt, im Jahr 2000 von Modedesigner Wolfgang Joop ersteigert und aufwändig saniert. Ein paar Jahre lang war sie Produktionsstätte seiner Firma „Wunderkind“. Warten wir ab, wie es weitergeht, denn sie steht erneut zum Verkauf.

Aber kommen wir zurück auf Fritz Rumpf, der sich in Potsdam nicht nur als Kunstmaler betätigte, sondern auch als engagierter Bürger. Er gehörte zu den Begründern des Potsdamer Stadtmuseums und des Potsdamer Kultursommers und war 1918 bis 1923 Stadtverordneter. Das Hauptanliegen seines Engagements war die Bewahrung des Potsdamer Stadtbildes. Zu diesem Zweck förderte er die Herstellung von Messbildern ganzer Potsdamer Straßenzüge. Die großformatigen Fotografien gehören heute zu den besonderen Schätzen des Museums. Ein Gräuel war ihm die Verschandelung der friderizianischen Fassaden. Aus diesem Grund hielt er 1913 vor dem Verein der Haus- und Grundbesitzer einen Vortrag, in dem er auf die aus seiner Sicht verwerflichsten Sünden im Stadtbild aufmerksam machte. Einen Grund für den unsensiblen Umgang mit den historischen Bauten sah er in der kritiklosen Übernahme von Moden aus Berlin. Hier ein paar Auszüge aus diesem Vortrag. 

Rumpf hob zunächst Vorzüge Potsdams hervor. Die Stadt sei, so sagte er, „Berlin weit überlegen an einheitlicher, geschlossener Kultur der Bauwerke, bis zu den unscheinbarsten Häusern herab… Das bauliche Aussehen der Stadt hat aber, besonders in den letzten Jahren, eine Veränderung erfahren, die den Reiz, den es früher besaß, an vielen Stellen empfindlich störte, an manchen ganz vernichtete, und es steht leider zu befürchten, dass diese unwiederbringliche Preisgabe künstlerischer, geschichtlicher und vor allem gemütlicher Werte noch nicht zu Ende ist…. Die Potsdamer Kaufleute sind nämlich, um Kunden heranzuziehen, auf den Gedanken verfallen, ihre Geschäfte äußerlich den gleichartigen Berliner Läden möglichst ähnlich zu machen… Jeder wollte dort (in Berlin) den Platz an der Sonne haben und schreckte vor keinem Mittel zurück, um ihn zu erringen. Riesengroße Firmenschilder und andere Anpreisungen in den abenteuerlichsten Formen und schreiendsten Farben, Läden mit Glasscheiben, die die ganze irgend verfügbare Front des Hauses einnehmen, angefüllt mit einer Massenaufhäufung von Waren, auch möglichst schreiend und aufdringlich angeordnet, dazwischen wohl noch irgend eine elektrisch betriebene Bewegungsreklame, das sind die grundsätzlichen, allgemein üblichen Mittel für einen solchen Geschäftsbetrieb…..“ 

In der Berliner Vorstadt trägt seit 2009 eine Straße den Namen von Fritz Rumpf.