Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Ehrenbürger

Seit 1822 gibt sich die Stadt Potsdam die Ehre, herausragende Persönlichkeiten mit der Ehrenbürgerschaft zu bedenken. Der erste Potsdamer Ehrenbürger war der Verwalter des Königlichen Schauspielhauses, einer, der die Bürger mit Hochkultur versorgte. Dann passierte für elf Jahre nichts, bis ab 1833 nahezu im Jahrestakt neue gekürt wurden. An die Kultur dachte nun offenbar keiner mehr. Die weiteren Ehrenbürger waren Stadtkommandant, Justizrat, Regierungspräsident, Chef der Ober-Rechnungskammer. 

Für das Jahr 1839 steht Wilhelm von Türk in der illustren Reihe. Der Pädagoge, der "preußische Pestalozzi", machte sich in Potsdam einen Namen als Gründer von Einrichtungen der Fürsorge. Dann ging es wie bekannt weiter: Polizeidirektor, Hofprediger, ein in Potsdam geborener General. Ganz anders 1849: Alexander von Humboldt wurde anlässlich seines 80. Geburtstages Ehrenbürger. Der Universalgelehrte galt zu Lebzeiten als der weltweit bekannteste Preuße und war bereits eine Legende. Dann wieder sieben Jahre keine Ehrenbürger. Nach einem Generalfeldmarschall und einem Prediger folgte 1863 Peter Joseph Lenné. Als Generalgartendirektor schuf er mit der Verwirklichung seines "Verschönerungsplans für Potsdam" die Grundlage für das UNESCO-Welterbe entlang der Havel. 

Auf der Liste der Ehrenbürger bis zur Jahrhundertwende folgen Männer, die heute meist vergessen sind: Oberregierungsrat, Oberbürgermeister, Stadtverordneter… 1905 steht Theobald von Bethmann Hollweg auf der Liste. Geehrt wurde er als Oberpräsident der Provinz Brandenburg, von 1909 bis 1917 war er Reichskanzler. 1913 traf es August Graf zu Eulenburg. Er war kaiserlicher Oberzeremonienmeister und nach dem Ende der Monarchie Bevollmächtigter der Hauses Hohenzollern. Bemerkenswert war 1927 die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Pfarrer Theodor Hoppe, den Vorsteher des Oberlinhauses. 

1933 wurden die beiden Hauptdarsteller des "Tages von Potsdam", Paul von Hindenburg und Adolf Hitler, zu Ehrenbürgern ernannt. Während Hitlers Eintrag 1990 gelöscht wurde, entschieden sich die Stadtverordneten mehrheitlich, Hindenburg als ehemaligen Ehrenbürger weiter zu führen. Wieder aufgenommen wurde die Tradition der Ehrenbürger erst 1955. Den Anfang machten Willy Kurth, von 1946 bis 1963 Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, und Max Volmer, 1955 bis 1959 Präsident der Akademie der Wissenschaften. 1959 wurde Karl Foerster, der Gartenpoet und Staudenzüchter, Ehrenbürger. Dann folgten in den 1960er Jahren Persönlichkeiten aus der Kulturszene: der Schriftsteller Hans Marchwitza und die Maler Otto Nagel sowie Werner Nerlich. Unter den Geehrten waren auch drei hohe sowjetische Offiziere. 

Nach der Wende war 1991 Friedrich Mielke, der Denkmalpfleger und beste Kenner der Potsdamer Baukunst, der erste. Ihm folgte zehn Jahre später Hans-Joachim Giersberg, dessen wichtigstes Verdienst es ist, die Schlösserverwaltungen in Potsdam und Berlin (West) zusammengeführt zu haben. Ein Jahr vor seinem Tod wurde Siegward Sprotte, der Bornstedter Maler, zum Ehrenbürger ernannt. Jahre später erhielt Hasso Plattner, mit dessen Namen die Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte verbunden ist.
Und was haben alle genannten Ehrenbürger gemeinsam? Es waren alles Männer. Das hat sich erst 2018 geändert, als die Schriftstellerin Helga Schütz die Ehrung entgegennahm. Sie hat Drehbücher für über 30 Filme geschrieben und in ihrem Prosawerk Potsdam zum Schauplatz gemacht.