Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Friedhöfe

Die Wahrheit ist: In Potsdam wird gestorben wie anderswo auch. Also braucht es Friedhöfe. Vielleicht gibt es hier dennoch ein paar Besonderheiten. Der älteste noch bestehende Friedhof ist der jüdische unterhalb des Pfingstberges.  Angelegt wurde er 1743 auf einem Stück Land, das Friedrich II. der jüdischen Gemeinde geschenkt hatte. Bis dahin mussten sie ihre Toten zur Bestattung nach Berlin bringen. Der Hügel hieß daher in den folgenden 40 Jahren Judenberg. Nach zwei Vorgängerbauten im 19. Jahrhundert folgte 1910 die noch vorhandene Trauerhalle. Sie wurde in der Pogromnacht 1938 stark beschädigt und verfiel, da keine Reparatur erfolgte, in den folgenden Jahrzehnten weiter. Ihr Schicksal schien bereits besiegelt, da brachte die politische Wende neue Hoffnung. 1990 begann ein mehrjähriges Sanierungsprogramm, das sowohl den 532 Grabmälern zugutekam, wie auch der Halle. Sie konnte 1995 neu eingeweiht werden. Der jüdische Friedhof in Potsdam ist der einzige funktionstüchtige seiner Art im Land Brandenburg.

Nur noch in der Stadtchronik vorhanden sind die Friedhöfe an der mittelalterlichen Nikolaikirche, der 1639 vor dem Berliner Tor eingerichtete Pestfriedhof, der seit 1721, als eine neue Nikolaikirche erbaut wurde, als Stadtfriedhof diente, und schließlich der 1752 angelegte Friedhof auf dem Amtsacker vor dem Nauener Tor. Die das Areal für diesen Gottesacker auswählten, hatten allerdings nicht bedacht, dass Potsdam von sumpfigem Gelände umgeben ist. Die feuchte Erde bewirkte eine ziemlich langsame und geruchsintensive Verwesung der Leichen.  Als nach dem Tod Friedrichs des Großen sich dessen Nachfolger mit dem nahegelegenen Neuen Garten ein eigenes Anwesen schuf, ließ er den Friedhof umgehend schließen. 

In allerkürzester Zeit wurde in der Teltower Vorstand ein Ersatz gefunden - weit weg von jeglichen königlichen Anlagen. Im April 1796 wurde der neue - inzwischen aber der Alte - Friedhof eingeweiht. Von Anfang an spielte dort die wirtschaftliche Nutzung eine wichtige Rolle, denn er war der städtischen Armendirektion zugeordnet. Seine Überschüsse kamen den Armenhäusern zugute. Es wurden Kartoffeln angebaut, die Wege waren von Obstbäumen gesäumt und es wurden Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht angepflanzt. Eine wichtige Rolle kam dem Alten Friedhof während der Befreiungskriege zu. Hier wurden die in den Potsdamer Lazaretten verstorbenen über 2.000 Soldaten beigesetzt. Auch das Heldenmädchen Eleonore Prochaska erhielt hier einen Gedenkstein. Durch die Stiftung von 8000 Talern durch den Kaufmann August Friedrich Eisenhardt bekam der Friedhof 1851 seine erste Kapelle – streng klassizistisch. Erbaut wurde sie vom Schinkel-Schüler Ferdinand Arnim. Begraben sind auf dem Friedhof auch der Flötenlehrer von Friedrich dem Großen, Johann Quantz, der Sozialreformer Hermann Schulze-Delitzsch und der Orgelbauer Alexander Schuke.

Seit seiner Einweihung im Jahre 1866 ist der gegenüberliegende Neue Friedhof Potsdam der zentrale Begräbnisplatz der Stadt. Hier sind Soldaten beider Weltkriege begraben und auch auf einem eigenen Ehrenfeld 1641 Opfer der Bombennacht vom 14. April 1945. Eine Stele erinnert an die ausländischen Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges in Potsdam ihr Leben lassen mussten. 

Der Stadtteil Babelsberg besitzt an der Großbeerenstraße und in der Goethestraße eigene Friedhöfe, so auch Bornim, Sacrow und Klein-Glienicke. Die Eingemeindungen rund um Potsdam haben es mit sich gebracht, dass noch viele weitere kleinere Friedhöfe zur Stadt gehören: in Eiche, Krampnitz, Fahrland, Kartzow, Drewitz.