Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Garde

Wer heutzutage einer quicklebendigen Garde-Formation begegnen will, besuche am besten den rheinischen Karneval. Während der fünften Jahreszeit tauchen sie dort allenthalben auf. Und dann schmettern sie auch noch alle das Operettenlied von 1930: „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“. Schon vor rund 200 Jahren haben die Jecken am Rhein damit begonnen, auf ihre spezielle Weise das preußische Militär auf die Schippe zu nehmen. 

Zu Königs und Kaisers Zeiten brachte eine Fahrt nach Potsdam die garantierte Begegnung mit einem Gardeoffizier. Die in der Potsdamer Garnison stationierten Regimenter gehörten allesamt zur Garde. Garde war die in eine Formation gebrachte Elite. Als die besten Soldaten und Offiziere des Heeres in einem Regiment versammelt wurden, entstanden Gardeeinheiten. Der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. begann damit, die besten und vor allem die größten Grenadiere seiner Regimenter im "Königsregiment" zu versammeln und zu drillen. Erst sein Sohn Friedrich II. führte die französische Bezeichnung "Garde" ein. Die Steigerung war "Leibgarde". Unter Friedrich II. war es die Leibkompanie des 1. Bataillons des "Königsregiments". Dort fand sich die Elite der Elite zusammen, jeder einzelne wurde vom König selbst ausgewählt.  Es kamen nur Männer mit tadellosem Lebenswandel infrage, sie mussten unverheiratet und unter 30 Jahre alt sein. 

Der Alte Fritz war dafür bekannt, die Leibgardisten mit ihrem Namen anzusprechen. Die Bestimmung dieser Garde bestand allerdings nicht vorrangig darin, auf dem Schlachtfeld in vorderster Linie zu verbluten, sondern im Dunstkreis des Königs zu repräsentieren. Gardeformationen waren seit jeher die Truppen, die ihrem Herrscher am nächsten standen. Die „Leibgarden“ hatten Leib und Leben des Königs oder Kaisers zu bewachen. Zugleich erfüllten sie repräsentative Pflichten. Sie zogen bei Staatsbesuchen, Geburten, Hochzeiten und Geburtstagen auf und salutierten, präsentierten das Gewehr und paradierten im Stechschritt vorbei. Für Angehörige der Garde war bisweilen der perfekte Zustand von Uniform und Waffe sowie die exakte Ausrichtung beim Exerzieren wichtiger als das taktische Verhalten im Feld. 

In einem 1790 anonym erschienenen Buch über Friedrich den Großen wird über die allgemeine Disziplinlosigkeit der Angehörigen der damaligen Garde berichtet, die einzig und allein auf die Befehle ihres Königs hörten. Und weiter: "Unerachtet diese Leute zuweilen die schrecklichsten Lästerungen sogar gegen den König selbst ausstießen, so wäre es doch niemandem zu raten gewesen, in ihrer Gegenwart auch nur ein ungebührliches Wort gegen den König zu sagen. Sie glaubten, wirkliche Mitglieder und gleichsam Hausgenossen des Königlichen Hauses zu sein, und hielten sich daher auch für berechtigt, zuweilen, freilich nicht in den gewähltesten Ausdrücken, über ihren Hausvater zu murren, litten aber durchaus nicht, dass ein Fremder sich in ihre Familienverdrießlichkeiten mischte." 

Genau diese Gedanken hat Theodor Fontane in die Ballade „Erstes Bataillon Garde (1780)“ gegossen. Sie schließt mit den Zeilen:
„Unser großer König. Gott soll mich verderben, 
wollt‘ ich nicht gleich für Fritzen sterben.“