Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Jagd

Ohne die Jagd wäre Potsdam nie eine Residenzstadt geworden. Seit dem Mittelalter war die Jagd ein Privileg der Mächtigen. Sie beanspruchten in den Forsten ihrer Länder das alleinige Recht zur "Hohen Jagd" (Rot- und Schwarzwild) und immer mehr auch zur "Niederen Jagd" (Hasen, Fasanen, Enten usw.).  Jeder Verstoß galt als Wilderei und wurde streng bestraft. Nur Bär, Wolf und Luchs durften - solange es sie gab - von jedermann getötet werden.  Die Niederungen rund um Potsdam mit ihren abgelegenen Wälder waren ein ideales Jagdrevier. Das erkannte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm und ließ sich nieder.  Er gab den Bau eines repräsentativen Schlosses in Auftrag und ließ kleine Jagdschlösser in der Umgebung errichten, von denen das Schloss von Caputh heute noch zu besichtigen ist. 

Die Bezeichnung von Waldgebieten rund um Potsdam erzählt heute noch davon, wie einst die Jagd betrieben wurde. Der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. bevorzugte die Parforcejagd. Der deutsche Name "Hetzjagd" macht deutlich, dass hierbei das Wild von den Jägern zu Pferde und ihrer Hundemeute kilometerweit durch den Wald gehetzt wird. Die Parforceheide an der östlichen Stadtgrenze von Potsdam wurde für diese Art zu jagen durch sternförmig angelegte Schneisen für den schnellen Ritt eigens hergerichtet. In den Schnittpunkt der Schneisen ließ sich der König ein kleines Jagdschloss errichten. Da der Nachfolger auf dem Thron, König Friedrich II., ein entschiedener Gegner der Jagd war, blieb es zunächst dabei.

Ein weiteres Jagdgelände war die Pirschheide am westlichen Rand von Potsdam.  Peter Joseph Lenné bezog die Pirscheide in seinen Plan zur Verschönerung der Insel Potsdam ein. Auch hier wurde ein Wegestern angelegt. Dann wurde das Areal mit einem 12 Kilometer langen und 2,60 Meter hohen Holzzaun umgeben. Ein Betreten des Wildparks war für Fremde ab sofort verboten. In dem Gatter wurde Rot- und Damwild angesiedelt, später kam Muffelwild dazu. Besonders beliebt war die Jagd auf die seltenen weißen Edelhirsche. Durch intensive Fütterung und Pflege entwickelte sich schnell ein hoher Wildbestand. Der im normannischen Stil errichtete Haupteingang zum Jagdgebiet befand sich in der Nähe des Parks Sanssouci. König Friedrich Wilhelm IV. ließ mitten in das Gelände ein Jagdhaus im Alpenstil errichten. Es ist heute Teil eines Nobelhotels.

Der Wildpark war auch Jagdgebiet deutschen Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.  Im Gegensatz zum Namen des Geländes wurde hier kaum die höchst anspruchsvolle Pirschjagd betrieben, bei der sich der Jäger unbemerkt an das Wild anschleicht. Häufiger war die Drückjagd, bei der wenige Treiber das Wild auf vertrauten Wegen dem Jäger entgegentrieben.  Ihre Jagdtrophäen stellten die Herrscher an den Außenwänden der Forsthäuser sowie der Wildmeisterei zur Schau. Im Wildpark befinden sich zwei Jagdgedenksteine, die an die Erfolge der Jagd auf die weißen Edelhirsche erinnern. 1884 erlegte Wilhelm I. eines der seltenen Tiere und 1885 der damalige Kronprinz Friedrich - der spätere Kaiser Friedrich III. – ein weiteres. Halali!