Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Musikausbildung

Achtung, jetzt wird es politisch unkorrekt! Denn die Rede ist von den "Mohrenpfeifern"?  Hinter diesem Wort verbergen sich dunkelhäutige Musiker im Leibregiment des „Soldatenkönigs“. Friedrich Wilhelm I. hatte zwei dieser Exoten aus dem Hofstaat seines Vaters übernommen, der bekanntlich jede Marotte europäischer Fürstenhäuser kopierte. Dort gehörte es nach dem Erwerb von Kolonien zum guten Ton, "Eingeborene" als Lakaien zu halten. Vor allem als Militärmusiker schenkten sie den Garderegimentern den Hauch des Besonderen. Mangels eigener Kolonien musste der Soldatenkönig weitere "Mohren" in Holland und England einkaufen, sodass am Ende seiner Regentschaft 23 dieser Sklaven in seinen Diensten standen. Allerdings erhielten sie bei ihrer Ankunft deutsche Namen, wurden getauft und galten formal als freie Bürger.

Ihre Ausbildung als Musiker erhielten die "Mohren" im Großen Militärwaisenhaus zu Potsdam.  Dort begannen 1724 der Geiger Gottfried Pepusch, der einzige Musiker, den der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. aus der Hofkapelle seines Vaters in seinen Diensten behielt, Zöglinge musikalisch zu erziehen. Der König hatte die Aufgabe gestellt, die Kinder so lange zu versorgen, "bis sie entweder den Regimentern als Tambours Dienste thun können, oder ihr Brodt durch Erlernung eines Handwerks zu erwerben fähig sind". In Inneren des Waisenhaus-Areals erhielten die künftigen Militärmusiker ein eigenes Haus. Mit Unterbrechung in den Jahren 1806 bis 1817 bestand diese "Hautboistenschule" genannte Einrichtung 145 Jahre. 

Unterrichtet wurde zunächst dem Bedarf entsprechend an Blas- und Schlaginstrumenten: Oboen und Fagotten (Hoboisten), Pfeifen (Querflöten), Trommeln und Pauken. Mit der Zeit wurde an allen gängigen Instrumenten gelehrt. Die Ausbildung begann im 14. Lebensjahr, dauerte vier bis fünf Jahre und endete mit der Abkommandierung an eine Militärmusikkapelle. Das Waisenhaus erhielt für jeden brauchbaren Zögling 50 Taler. Zu den namhaften Musikern, die aus dieser Schule hervorgegangen sind, gehört Heinrich Joseph Bärmann (1784 - 1847). Er nahm als Militärmusiker an den Befreiungskriegen teil und brachte es zum Ersten Klarinettisten an der Bayerischen Hofkapelle. Sein Ruhm führte ihn auf Konzertreisen durch ganz Europa. Er freundete sich mit Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy an. 

Nach den Befreiungskriegen bestand die Militärmusik nicht nur in der Begleitung von Aufmärschen, sondern diente auch der Unterhaltung. Nun wurde auf allen Konzertinstrumenten gelehrt. Die Kapellen der Potsdamer Regimenter nahmen bald einen wichtigen Platz im Musikleben der Stadt ein. Als beste Militärkapelle galt das Musikkorps des 1. Garderegiments zu Fuß. Es wurde zu ihren Konzerten ins Schauspielhaus eingeladen, sie gestalteten Konzertreihen und traten ab 1867 auch im Palais Barberini auf. Mit der Einführung städtischer Musikschulen hatte sich die Ausbildung von Militärmusikern im Großen Militärwaisenhaus erledigt. Im Jahr 1869 endete die 145 Jahre alte Tradition der Musikerausbildung im Großen Militärwaisenhaus. 

Eine Ausstellung über die Geschichte des Großen Militärwaisenhauses zu Potsdam erinnert auch an diese Episode. Sie ist ausgerechnet im Untergeschoss jenes Gebäudeteils untergebracht, in dem die jungen Musiker ihre Ausbildung erhielten.