Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Pietät

Pietät war in der alten Residenzstadt Potsdam immer sehr wichtig. Eine Pietät der besonderen Art können wir im Park Sanssouci erleben. Bei aller Freude über die herrlichen Anlagen und die schönen Schlösser kann man leicht vergessen, dass der Park ein ganz besonderer Begräbnisplatz ist.  Beginnen wir beim berühmtesten Grab des Parks: dem Friedrichs des Großen. Östlich neben dem Schloss befindet sich in einem von einer steinernen Bank und den Büsten römischer Kaiser umgebenen Halbrund das Grab des Bauherren von Sanssouci.  Eine Steinplatte mit der Aufschrift "FRIEDRICH DER GROSSE" deckt den Zugang zu einer bescheidenen Gruft ab. Angelegt wurde sie bereits beim Bau des Schlosses . Damals war der König etwas mehr als 30 Jahre alt. "Wenn ich hier sein werde, werde ich ohne Sorge sein", soll er gesagt haben - "Quand je serai là, je serai sans souci". Erst am 205. Todestag des Königs war es so weit: Sein Sarkophag wurde nach jahrelanger Odyssee durch Deutschland in die Gruft eingelassen. Seine Lieblingshunde waren schon lange dort angekommen. 

Ein weiterer Begräbnisplatz ist die nach italienischem Vorbild errichtete Friedenskirche. Ihr Bauherr, der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., hat unterhalb des Altars für sich und seine Gemahlin eine Gruft einbauen lassen. Zwei Marmortafeln decken die Gruft zum Kirchenraum hin ab. Ein Engel bewacht in dem schlichten Gruftraum die Zinnsärge der Verstorbenen. Das Herz des Königs ruht allerdings im Mausoleum des Schlosses Charlottenburg an der Seite seiner Mutter, der Königin Luise. 

Nach dem Tod des 88-Tage-Kaisers Friedrich III. ließ dessen Nachfolger direkt neben der Friedenskirche ein imposantes Mausoleum errichten. Die Pläne dafür lieferte Julius Carl Raschdorff, der später auch den Berliner Dom entwarf. Viel stilistisches Feingefühl gegenüber der edlen Nachbarschaft bewies er jedenfalls nicht. Bestattet wurden unter der großen Kuppel ebenfalls die Gemahlin des Kaisers sowie zwei im Kindesalter verstorbene Söhne. Auch der Sarg des "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I., der sich ursprünglich in der Garnisonkirche befand, erhielt in diesem Mausoleum einen Platz.

Zu einem weiteren Mausoleum der Hohenzollern entwickelte sich der Antikentempel in der Nähe des Neues Palais. Friedrich II. hatte ihn ursprünglich zur Aufbewahrung seiner antiken Schätze errichten lassen.  1921 wurde der Sarg der Ex-Kaiserin Auguste Victoria unter großer Anteilnahme der Potsdamer Bevölkerung aus dem Exil in den Tempel überführt. Seit 1931 stand auch der Sarg des jüngsten Kaisersohns Joachim im Tempel. Es folgten die Söhne Wilhelm (1940) und Eitel Friedrich (1942). Schließlich wurde hier auch die zweite Gemahlin Wilhelms II. hier bestattet. Sie starb 1947 in Frankfurt (Oder).