Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Quintus Icilius

Den Buchstaben Q haben wir uns für eine Person aus dem Umkreis von Friedrich dem Großen aufgehoben: Quintus Icilius, ein sehr widersprüchlicher Mensch – genau wie auch sein König: ein preußischer Offizier, Feingeist und Schriftsteller. Eine seltene Mischung. Die Rede ist von dem 1724 in Magdeburg geborenen Karl Theophil Guichard. Der Name verrät die Abstammung aus einer Hugenottenfamilie. Als Student interessierte ihn vor allem das klassische Altertum. Also lernte er außer Latein und Griechisch auch Syrisch und Chaldäisch. Dazu befasste er sich anhand der Originalquellen intensiv mit dem Kriegswesen der alten Griechen. 

Ein solcher Fachmann erregte natürlich das Interesse Friedrichs II. Als der Siebenjährige Krieg bereits begonnen hatte, lud er 1758 den Experten in sein Winterquartier nach Breslau ein. Der König ernannte ihn zum Hauptmann und machte ihn zum Flügeladjutanten, mit dem er in französischer Sprache gelehrte Dispute führen konnte. Angeblich war es aus einer Laune des König heraus, dass er Guichard in den Adelsstand erhob und ihm den Phantasienamen Quintus Icilius verlieh. Der bedankte sich für so viel Ehre, indem er die Führung eines Freischärlerbataillons übernahm. Hier trafen sich verwegene Burschen, die außerhalb der regulären Truppen für Spezialaufgaben eingesetzt wurden. 

Eine solche war die Plünderung des sächsischen Schlosses Hubertusburg. Übergriffe auf Besitztümer gegnerischer Herrscher galten damals als unehrenhaft. Johann von der Marwitz verweigerte den Befehl und fiel beim König in Ungnade. Quintus Icilius hingegen wurde für seine Tat vom König mit dem geplünderten Schloss beschenkt. Der war schlau genug, das geraubte Gut schnell wieder zu veräußern und sich von dem Geld nach dem Krieg an anderer Stelle ein Gut zu kaufen. Der Ort befand sich weit weg von der sächsischen Grenze, in der Nähe von Rathenow. Er heißt „Wassersuppe“. Das alte Gutshaus ist nur noch in Rudimenten sichtbar.

Quintus Icilius blieb auch in den folgenden Jahren ein beim König gern gesehener Gesprächspartner. Als Oberst verwaltete er die Bibliotheken Friedrichs II. und konnte in dieser Funktion seine Studien über die Kriege der Antike fortsetzen. Selbst schaffte er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1775 eine 5.600 Bände umfassende Bibliothek an. Der König kaufte die Bücher der Witwe ab und ermöglichte ihr so einen gehobenen Lebensstil. 

Erst später stellte sich heraus, dass Quintus Icilius mit dem König nicht nur über die Schlachten der alten Griechen parlierte, sondern bei ihm auch ein gutes Wort für die deutschsprachigen Dichter einlegte. Allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Dennoch ließ es sich Johann Wolfgang von Goethe bei seinem einzigen Besuch in Potsdam im Mai 1778 nicht nehmen, der Witwe von Quintus Icilius die Aufwartung zu machen. Die Bücher des Gelehrten gehören heute zum Bestand der Staatsbibliothek Unter den Linden.