Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Reiseführer

Das Zeitalter der Reiseführer begann mit der Eisenbahn. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung der Bahnstrecke Berlin - Potsdam im Jahr 1838 erschien in der Stuhrschen Buchhandlung ein Bändchen namens "Spaziergang durch Potsdam und Berlin". Der unbekannte Autor verspricht seinen Lesern im Vorwort: "Ich führe den Fremden und unterhalte ihn, wie ich einen mich besuchenden Freund zu führen und zu unterhalten pflege, der einen lebendigen Sinn für die Natur hat, den das Schöne erfreut, wo er es nur findet…" Für die Schlösser bietet der Reiseführer keine Öffnungszeiten. Sollte der Besucher zu einer Zeit kommen, zu der das jeweilige Schloss unbewohnt ist, wende er sich an den Kastellan, der meist in unmittelbarer Nähe seine Wohnung hat.

1841 erschien ein "Neuester und vollständiger Wegweiser durch Potsdam und seine Umgebung für Fremde und Einheimische oder Wie hat ein Fremder jede Stunde des Tages zu benutzen, um alles Sehenswürdige kennen zu lernen, was Potsdam zur Belehrung, Unterhaltung und zum Vergnügen darbietet?" Bei genauerem Hinsehen ist es allerdings nur eine alphabetische Aufzählung von Sehenswürdigkeiten, beginnend mit Alexandrowka, endend mit Zwinger (im Neuen Garten). 
Unseren heutigen Vorstellungen von einem Reiseführer kommt ein Bändchen entgegen, das 1850 in der Horvath'schen Buchhandlung in Potsdam erschien. Der um Aktualität bemühte unbekannte Autor weist auf den letzten Seiten darauf hin, dass sich seit 1835 auf dem Babelsberg eine Anlage des Prinzen von Preußen noch "in steter Entwicklung" befindet.

Kurz vor der Jahrhundertwende brachte der Potsdamer Verlag Robert Müller einen "Führer durch Potsdam und Umgebung" auf den Markt, der dank neuer Drucktechnik Fotos in brauchbarer Qualität abdruckt, dazu umfangreiche Beschreibungen der einzelnen Attraktionen. Nach wenigen Auflagen übernahm der Potsdamer Verkehrsverein, der Zusammenschluss von Hoteliers und anderen am Tourismus Interessierten, das Projekt und veröffentlichte in kurzer Folge mehrere Auflagen des "Illustrierten Führers durch Potsdam". Zum Preis von 50 Pfennigen erhielt der Käufer nicht nur ein 148 Seiten umfassendes Kompendium über alles, was der Besucher Potsdam wissen sollte, sondern auch zwei große Klappkarten von Potsdam und seiner Umgebung. 

Nach dem Ersten Weltkrieg publizierte der Verkehrsverein den "Neuen Führer durch Potsdam und Umgebung" im Verlag der Potsdamer Tageszeitung. Autor dieses Stadtführers war Professor Dr. Hans Kania, der bis in die 1940er Jahre hinein fundierte Beiträge zur Potsdamer Geschichte veröffentlichte. Kania beschrieb nicht nur die einzelnen steinernen Zeugen der Vergangenheit, sondern wusste sie auch in größere Zusammenhänge einzuordnen. In den 1920er und 1930er Jahren dominierten die Reiseführer des Grieben-Verlags. Potsdam war Band 10 einer Reihe, die schließlich an die 250 herankam. Die Grieben Reiseführer kamen ohne Fotos, boten aber den Lesern kleine Orientierungskarten, eine geschichtliche Einführung und viele praktische Reisehinweise. Für den ganz kleinen Geldbeutel gab es für 10 Pfennige den in der Leipziger "Miniatur Bibliothek" erschienenen Reiseführer zu Potsdam im Format 8 mal 12 Zentimeter. Doch bescheiden waren nicht nur die Kosten, sondern auch das Informationsangebot. Aber er bot einen zusammenhängenden Rundgang durch die Stadt.