Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Theater

Potsdamer Theater-Liebhaber kennen natürlich das Schlosstheater im Neuen Palais, nur noch wenige können sich an das "Kanaloper" genannte Schauspielhaus erinnern, das 1945 in Flammen aufging, ein paar mehr werden es ein, die im Hans Otto Theater in der Zimmerstraße miterlebt haben, wie "Die Preußen kommen", und noch mehr haben sicherlich die verzweifelten Versuche des städtischen Theaters nicht vergessen, in der "Blechbüchse" am Alten Markt den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.  Aber wer kennt noch das "Thalia-Theater"? Wohl kaum jemand.

"Thalia-Theater" hieß ein Saalbau, der 1865 an der Stelle errichtet wurde, an der die heutige Hegelallee auf die Schopenhauerstraße stößt. Also nur ein paar Schritte vom Park Sanssouci entfernt.  Seit 1869 war es die Spielstätte eines gleichnamigen, sehr rührigen Vereins. Nach heutiger Diktion würde man es als Off-Bühne bezeichnen, die in diesem Falle allerdings keine künstlerischen Provokationen im Sinne hatte. Vielleicht war das auch der Grund, dass sich das Haus mehr und mehr auf Konzerte verlegte. Seit 1900 annoncierte es seine Veranstaltungen als "Concerthaus", obwohl auch weiterhin Theater gespielt wurde.  Die exzellente Lage brachte es mit sich, dass sich der Bühne ein Ausschank zugesellte. Nun diente das privat betriebene Haus auch noch als Ballsaal, Tagungsort, Versammlungsraum für Parteiveranstaltungen, Feierlichkeiten aller Art. In den 1920er Jahren wurde es aufwändig um- und ausgebaut. Auch während des Zweiten Weltkrieges ging der Spielbetrieb weiter.  1942 gab das Berliner Philharmonische Orchester unter Wilhelm Furtwängler ein Konzert. 
 
Im Mai 1945 wurde das Haus von der Roten Armee beschlagnahmt. Von nun an war es als "Haus der Offiziere" für Potsdamer tabu. Im Inneren spielte sich allerdings ein reges kulturelles Leben ab.  Es wurden die aktuellen Filme in Originalsprache gezeigt, aus der Heimat kamen namhafte Künstler zur Truppenbetreuung, und es traten die zahlreichen Ensembles der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland auf - vom Soldatenchor bis zur Jazz-Kapelle.  Zum 100. Geburtstag Lenins wurde vor dem Haus am 20. April 1970 eine lebensgroße Lenin-Bronzestatue enthüllt. Es ist die Kopie des Lenin-Denkmals in der Geburtsstadt Uljanowsk.  Seit der Wende war das Gebäude verwaist und verwahrloste zusehends, bis es schließlich abgerissen wurde. Das Lenindenkmal ist seit 2004 verschwunden und soll sich in einem Privatgarten in Oldenburg befinden. Nach wie vor steht es jedoch auf der brandenburgischen Denkmalliste.

Übrigens: Auch die langjährige Spielstätte des Hans Otto Theaters in der Zimmerstraße begann ihre künstlerische Karriere als Tanzgaststätte und Gesellschaftshaus mit dem originellen Namen „Zum Alten Fritz“. Noch 1947 wurden hier durch einen Privatunternehmer mit seiner „Bunten Bühne“ Theaterstücke aufgeführt. Ab 1948 wurde es mit einem Aufwand von zwei Millionen Mark für das Hans Otto Theater ausgebaut und am 16. Oktober 1949 mit Goethes „Faust I“ als ständige Spielstätte eröffnet. Trotz immer neuer Um- und Anbauten blieb es ein Provisorium. Am 1. Dezember 1991 wurde der Spielbetrieb mit dem Stück „Noch ist Polen nicht verloren“ eingestellt. Heute befinden sich hier Funktionsgebäude der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.