Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Ulanen

Infanterie und Kavallerie waren lange Zeit die beiden Säulen des preußischen Heeres. Bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde um den effektiven Einsatz dieser Waffengattung herumexperimentiert. Denn eine lange Tradition bei der Reiterei gab es nicht. Allenfalls gab es die geharnischten Ritter bei den Turnierkämpfen. Aus ihnen entwickelten sich die mit leichterem Panzer versehenen Kürassiere. Sie warfen sich mit Säbeln und Handfeuerwaffen ins Gefecht und bildeten den Kern der preußischen Kavallerie. Ihre Garden trugen so klangvolle Namen wie Garde du Corps und waren natürlich in Potsdam stationiert. 

Die Vorteile einer leichten Reiterei lernten die Preußen erst durch die in den Schlesischen Kriegen von den Österreichern eingesetzten Ungarn und Kroaten so richtig kennen. Die "Husaren" genannten, kaum gepanzerten Reiter auf kleinen, wendigen Pferden waren der Schrecken der streng ausgerichteten Truppen. Sie tauchten schnell und überraschend auf und konnten die Stellungen des Gegners einfach überrennen. Die Reiter waren wahre Draufgänger, die die feindliche Schlachtplanung kräftig durcheinanderbringen konnten. 

Unter General Joachim Hans von Zieten wurde die preußische Reiterei neu organisiert. Aus den bereits seit dem "Soldatenkönig" bestehenden wenig geachteten "Leibhusaren" wurde eine beim Feind gefürchtete Truppe. Ihr Chef wurde "Zieten aus dem Busch" genannt. Während des Siebenjährigen Krieges entwickelten die Husaren aller Seiten einen eigenen Ehrenkodex, der sie zu gegenseitiger Hilfe im Falle der Verwundung und der Gefangennahme verpflichtete. Nach dem Tod von Friedrich II. verloren die Husaren ihren Sonderstatus, bildeten aber weiterhin eigene Regimenter. Ihre Garde war ebenfalls in Potsdam stationiert.

Was die ungarische Militärtradition für die Husaren war, war die polnische für die Ulanen. Es waren leichte Lanzenreiter. Sie waren mit Handfeuerwaffen ausgerüstet, führten aber gewöhnlich die für sie typische Lanze mit sich. Das Auftauchen der wippenden Lanzen während der großen Paraden sorgten zu besonderer Begeisterung bei den Zuschauern. Vielleicht war das der Grund, dass Kaiser Wilhelm II. der gesamten preußischen Kavallerie die Lanze verordnete. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten die Ulanen zu den am meisten geförderten Regimentern. Von den drei Garderegimentern waren zwei in Potsdam stationiert. 

Die bekannteste Ulanen-Kaserne ist das heutige Sparkassengebäude am Luisenplatz. Doch bereits 1885 begannen die Bauarbeiten für eine viel größere Kaserne für das 1. Garde-Ulanen-Regiment am Rand des Ruinenberges. Bereits 1868 konnte die neuerrichtete Kaserne für das 3. Garde-Ulanen-Regiment in der Jägerallee mit seinen umfangreichen Stall-Anlagen bezogen werden.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, waren Pferde massenhaft dabei. Obwohl dieser Krieg als der erste industrialisierte Krieg in der Menschheitsgeschichte gilt, wurden die Tiere erbarmungslos ins Feuer geschickt. Man schätzt, dass an allen Fronten insgesamt mindesten 15 Millionen Pferde ums Leben kamen, allein 1,5 Millionen auf deutscher Seite.