Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Weinbau

Ob die Hohenzollern den Ausschlag dafür gaben, dass seit dem Einzug von Kurfürst Friedrich I. in die Mark Brandenburg der Weinanbau einen großen Aufschwung erlebte, mag offenbleiben. Auf jeden Fall war das Land zwischen Elbe, Havel und Oder bis zum Dreißigjährigen Krieg ein Weinland. Es gab gute Böden, Südhänge waren vorhanden und die Unterstützung der Obrigkeit war da, denn Wein ließ die Steuereinnahmen sprudeln. Brandenburger Wein ging nach Polen, Russland, Böhmen und anderen Ländern. Eine brandenburgische Polizeiverordnung legte fest, dass bei Kindstaufen und Hochzeiten nur einheimischer Wein getrunken werden durfte. 

Auch als Potsdam noch ein unbedeutendes Kaff war, wurde hier Wein angebaut. Es gab Weinberge vor allem am heutigen Pfingstberg bis hinunter zum Heiligen See (die Straßennamen Große und Kleine Weinmeisterstraße bezeugen das). Dem Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm verdankte Potsdam nicht nur die Erhebung zur Residenzstadt, sondern auch die Wiederbelebung des Weinbaus nach dem verheerenden Krieg. 

Mit der Ausweitung der Handelsnetze kamen jedoch immer mehr süddeutsche und französische Weine nach Brandenburg. Man kannte den Unterschied: Vom märkischen Wein hieß es, er gehe „durch den Hals wie eine Säge“. So wurde es Mode, vor allem nach kühlen Sommern die hiesigen Weine einer seltsamen Verwandlung zu unterziehen. Sie wurden nach Hamburg „exportiert“, dort mit Traubensaft aus sonnigen Gefilden gemischt und dann wieder als „Französischer Wein“ importiert. Der „Soldatenkönig“ griff energisch gegen die „Weinpanscher“ durch. Ob es geholfen hat? Es ist nicht sicher.

Der Weinbau in Potsdam ist besonders mit dem Namen eines Königs verbunden: Friedrich dem Großen. Ausgerechnet im Jahr seiner Thronbesteigung gab es einen extrem kalten Winter. Alle Reben an den Potsdamer Weinbergen erfroren damals. So tat sich die Frage auf, ob der Weinanbau so weit oben im Norden überhaupt zweckmäßig ist. Er benötigte damals - wie heute auch - viel Pflegeaufwand, und lohnte der sich überhaupt, wenn nur alle paar Jahre ein wirklich guter Wein entstand? So wurden viele Weinberge in Obstplantagen verwandelt. Dennoch: Am Ende der Regierungszeit Friedrichs II. war der Ertrag der verbliebenen Potsdamer Weinberge immer noch deutlich höher als der im benachbarten Werder, wo heute noch Wein angebaut wird. 

Bei der Ausgestaltung seiner Residenz spielte für Friedrich den Großen Wein eine große Rolle. Sanssouci war für ihn sein „Weinbergschloss“. Auch an den Hängen der Nachbarschaft wurde Wein angebaut: am Winzerberg im Osten und am Klausberg im Westen. Hier wurde nichts dem witterungsbedingten Zufall überlassen. Sogenannte Talutmauern schützten die Rebstöcke und speicherten die Wärme weniger Sonnenstunden für den ganzen Tag. Und wofür das Ganze? Keineswegs, um Wein zu keltern. An den Mauern wuchsen Rebstöcke, die so ausgesucht waren, dass die meiste Zeit des Jahres die königliche Tafel mit wohlschmeckenden Trauben bestückt war. In den vergangenen Jahren wurden die Weinberge in der Umgebung von Sanssouci mit viel Aufwand wieder zum Leben erweckt. „Potsdamer Wein“ wird allerdings kaum wieder ein Markenprodukt werden.