Potsdam.
Wie es wurde, was es ist.

Zirkus

Nichts wie Zirkus um den „Zirkus“, der da schon seit scheinbar ewigen Zeiten gleich hinter der Produktionsstätte von "Katjes" an der Wetzlaer Straße steht. Eigentlich ist es ein markanter Bau, diese sechseckige Halle mit dem Kuppeldach von 48 Metern Spannweite und einer Höhe von 14 Metern. Er steht mitten im Gewerbegebiet "Gewerbe im Park" und stört nur. Aber er steht auf der Potsdamer Denkmalliste. 2013 stellten die Betreiber des Gewerbegebietes den Antrag auf Abriss. "Nichts da", lautete die Antwort der zuständigen Denkmalschutzbehörde. Der "Zirkus" ist und bleibt ein Stück Industriegeschichte der Stadt. Schließlich hatte Potsdam an Industrie nie viel zu bieten. 

Da war die Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel im Ortsteil Drewitz die große Ausnahme. 1899 begann hier die Produktion von Feld- und Kleinbahnen. Dafür wurde um die Jahrhundertwende die riesige runde Produktionshalle erbaut. Sie erlaubte es, immer größere Lokomotiven zu bauen. Schließlich verließen auch Exemplare der Baureihe 52 die Halle, um direkt an die Fronten des Zweiten Weltkrieges zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings die Firmengründer als "Nichtarier" zwangsenteignet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Lokomotiven als Reparationsleistungen für die Sowjetunion hergestellt. 1948 wurde das Werk in den VEB "Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg" verwandelt und stellte zunächst Dampflokomotiven, später auch Dieselloks her. Der Lokomotivbau endete in Babelsberg 1976. Schon damals war die von Außenstehenden oftmals fälschlich als Lokschuppen angesehene Halle nutzlos.


Nach der Wende war für die Halle nur eines klar: Eine industrielle Wiederbelebung kann es nicht geben. Alle nennenswerten Unternehmen wurden abgewickelt. Also wurde die Halle an die Babelsberger Filmstudios vermietet. Rosa von Praunheim nutzte die Location für kleinere Experimentalfilme. Der morbide Charme des Gemäuers kam dabei gut zur Geltung. Im Herbst 2007 hatte die Halle einen großen Auftritt. Für fast eine Viertelmillion Euro wurde die Halle in den Zentralbau des New Yorker Guggenheim-Museums verwandelt, um für den Tom-Tykwer-Film „The International“ (u.a. mit Clive Owen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl) als Schauplatz einer Schießerei zu dienen. Auf keinen Fall hätte man diese wilde Ballerei für den Polit-Thriller in dem Original-Kunsttempel am Central Park drehen können.


In den folgenden zehn Jahren stand das Gemäuer wieder leer und verfiel. 2017 kam die erlösende Nachricht: Er habe sich ein Käufer gefunden, der mit dem „Zirkus“ Großes vorhat: Eine Art „Glaspalast“ für kleinteilige Büroräume soll im Inneren der Halle gebaut werden, wo Kreative aus der Medien- oder IT-Branche ihre Inspiration erhalten. Geplant ist auch ein Bed & Bike-Hotel mit 120 Betten für Radtouristen. Auch ein klangvoller Name ist gefunden: „Paradome“.